Vito von Eichborn war Journalist, dann Lektor im S. Fischer Verlag, bevor er 1980 den Eichborn Verlag gründete, dessen Programm noch heute ein breites Spektrum umfasst: Humor, Kochbücher und Ratgeber

Meine Buchhändlerin sagte mir,
"ja" , sagte sie ...

'Essen in Frankreich' hört sich gut an. Obwohl ja die französischen Restaurants lange nicht mehr das sind, was sie mal waren. Bis auf die Luxus-Restaurants, also an den Landstraßen ist das meiste dieselbe einfallslose Tiefkühl-, Steak- und Fritten-Küche wie überall. Gibt es denn für unterwegs gute Tipps in diesem Buch?"

"Aber nein, das ist ein Missverständnis. Hier geht es nicht um Restaurants..."

"Ja, was denn sonst?", fiel sie mir wie immer ungeduldig ins Wort. "Kochbücher gibt's doch wie Sand am Meer...."

"Neiiin, auch nicht Rezepte", unterbrach ich sie nun. "Stimmt, es gibt Legionen von Kochbüchern. Und es gibt eine ganze Reihe von Restaurantführern. Dies aber ist ganz was anderes - nämlich so etwas wie das ultimative Buch der französischen Küche für Laien und Gourmets, allerdings nur für diejenigen, die selbst...."

"Aber was steht denn da nun eigentlich drin?", rief sie.

"Dies ist, rundherum, ein Essdolmetscher für die französische Küche. Im Kern ist es ein Wörterbuch. Für den Reisenden, also fürs Essengehen und Selbstkochen, naturgemäß mit mehr französisch-deutschen Worterklärungen als umgekehrt. Und...."

"Dafür hab ich doch mein umfassendes Francais-Allemand immer in der Tasche", meinte sie enttäuscht.

"Herrje, warum ist das heute so schwer?" Nun wurde ich etwas ungehalten. "Dies ist ein Restaurant- und Kochdolmetscher - und er ist indispensable! Suchen Sie mal 'goujonnette' oder 'anschwitzen' im normalen Wörterbuch. Fehlanzeige! Kurz: Wer nach Frankreich fährt und weitergehende Ess-Bedürfnisse als nach dem Angebot einer Autobahnraststätte hat, braucht dieses Buch. Übrigens gerade auch so Leute wie ich mit Halb-Französisch. Wir kennen das doch alle, diese Rätsel auf Speisekarten und auch im Gespräch, bei denen jedes Wörterbuch versagt."

"Bon, mon cher ami", meinte meine Buchhändlerin nun charmant, "also von so einem Buch habe ich noch nichts gehört. Das scheint ein Desiderat zu sein. Machen wir einen Test." Sie griff ein normales Wörterbuch. "Unter 'coque' steht hier: 'Rumpf, Schale'. Nun?"

Ich schlug im Essdolmetscher auf: "Außer dem 'coquelet', der bei Ihnen auch fehlt, gibt's coque hier viermal: 'boucarde, épineuse, rayée, naturgemäß beliebig. Ich habe jedoch ausführlich verglichen: in meinen Nachschlagewerken habe ich nicht mal ansatzweise eine solche Fülle von Begriffen gefunden wie hier."

Meine Buchhändlerin hatte mir das Buch aus der Hand genommen. Sie schlug, wie sie es immer macht, um ihr unbekannte Bücher zu prüfen, an einer beliebigen Stelle auf und las: " 'Schneiden Sie die Zwiebel in dicke Ringe.' Oha, das ist schwierig zu übersetzen. Gibt's hier doch Koch-Anleitungen?"

"Naja, nicht direkt. Aber, ja, es gibt einige hundert Kochanweisungen, und zwar französisch-deutsch, damit man originale Rezepte und die Sprache des Kochens versteht. Ich stelle mir vor, man hat ein Appartement oder Häuschen gemietet oder steht auf dem Campingplatz. Wenn man dann einkaufen geht, will man ja erst mal kapieren, was es gibt und wie was heißt. Da ist es natürlich hilfreich, wenn man die Körperteile von Fisch und sonstigen Tieren kennt. Alles hier aufgeführt. Dazu eine Gewürzliste und ein Überblick über Käsearten und -sorten. All dies, auch die Maßangaben, ist jedoch quasi praktische Zutat. Im Kern ist dies ein gründliches Spezial-Wörterbuch - ohne das ich sicherlich nicht wieder nach Frankreich fahren werde."

Meine Buchhändlerin war überzeugt. "Jetzt hab ich's begriffen. Das werde ich nicht nur all den Frankophilen empfehlen, sondern jedem, der irgendwas von und über Frankreich kauft, vom Reiseführer bis zum Bildband. Und außerdem...."

Es hatte am Eingang geklingelt - und sie ließ mich einfach stehen.

Aber ich hatte das Gefühl, dass meine Buchhändlerin die Qualität und Chancen dieses Buchs begriffen hatte.

Für Menschen, die nicht nur essen wollen, sondern auch wissen, was sie da tun, ist dieser Dolmetscher wahrhaft unentbehrlich.

Bon appétit,

Vito von Eichborn

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